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Die Kolonialgeschichte Deutschlands in Namibia


Namibia ist ein faszinierendes Land. Mit der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika verbindet Deutschland eine bittere Geschichte mit Namibia, eine Geschichte von Ausbeutung und ein Völkermord an den Herero und Nama.

Videolänge:
45 min
Datum:
25.08.2023
:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.08.2024

Faszinierend - Namibias Wüste und Weite! Namibia ist so groß wie Spanien und Deutschland zusammen, zählt aber mit knapp 2,6 Millionen Einwohnern zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Welt. Und alles war einmal deutsch, denn von 1884 bis 1915 war Namibia die Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Deshalb verbindet Deutschland eine bittere Geschichte mit Namibia, eine Geschichte von Ausbeutung und ein Völkermord an den Herero und Nama. Seit dem Ende der deutschen Kolonialzeit sind mehr als einhundert Jahre vergangen. Aber ist der Kolonialismus heute passé? Mit dieser Frage im Gepäck bereist aspekte-Host Jo Schück Namibia.

Jo und die Schauspielerin Girley Jazama
Quelle: Till Kind/ZDF

Jo Schück beginnt seinen Roadtrip in Namibias Hauptstadt Windhoek und erkundet mit der Künstlerin Muningandu Hoveka das Zentrum der Stadt. Die 28-jährige ist kein Fan der deutschen Bauten und versucht, mit Kunst die Dekolonialisierung der Stadt voranzutreiben. Immer mehr junge, namibische Kulturschaffende widmen sich ihrer Geschichte. Filmregisseure wie Perivi Katjavivi drehen Filme über den Schatten der Kolonialzeit im heutigen Namibia. Warum beginnt die Auseinandersetzung mit dieser düsteren Zeit erst jetzt? Um das herauszufinden, trifft Jo Schück die namibische Star-Schauspielerin Girley Jazama. In Deutschland wurde sie mit dem Kinofilm "Der vermessene Mensch" bekannt, auch der spielt in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika.

Der Künstler und Aktivist Laidlaw Peringanda
Quelle: Till Kind/ZDF

Nicht nur in Namibias Hauptstadt Windhoek hat die koloniale Architektur überdauert, auch in der Küstenstadt Swakopmund. In der wohl deutschesten Stadt Namibias besucht Jo Schück den Herero-Aktivisten Laidlaw Peringanda, der ein kleines Genozid-Museum aufgebaut hat. Die Fotos in seinem Museum sind Zeugnisse des erbarmungslosen Vernichtungsfeldzugs der kaiserlichen Schutztruppe gegen die Hereros und Namas zwischen 1904 und 1908. Über 80.000 wurden ermordet - darunter Verwandte von Laidlaw Peringanda. Seine Urgroßmutter überlebte das Konzentrationslager und die Vergewaltigungen durch deutsche Soldaten. Früher wäre seine Familie reich gewesen, heute lebe sie, wie viele als Folge des deutschen Kolonialismus, in Armut, beklagt Peringanda.

Einen Eindruck von der sozialen Ungleichheit bekommt Jo Schück bei einer Tour durch eines der vielen Armenviertel von Swakopmund. 30.000 Menschen wohnen hier ohne fließend Wasser und Elektrizität. Die weiße Bevölkerungsminderheit hingegen lebt im Wohlstand: Über 70 Prozent des Farmlandes besitzt sie bis heute und viele Farmen gehören immer noch den Nachkommen der ersten deutschen Siedler im Land. Harry Schneider-Waterberg ist einer davon. Jo Schück trifft ihn auf seiner Farm Okosongomingo. Wie geht der Großgrundbesitzer mit der Vergangenheit und seinen Privilegien um?

Auch auf politischer Ebene ist das Thema nach wie vor heiß: Seit 2021 liegt ein Versöhnungsabkommen auf dem Tisch. Erstmalig erkennt Deutschland den Genozid an und stellt 1,1 Milliarden Euro Entwicklungshilfe und Zahlungen in Aussicht. Aber in Namibia ist inzwischen ein heftiger Streit über den Vertragsentwurf entbrannt. Nama- und Herero-Verbände klagen gegen ihn. Bis heute fehlt Namibias Unterschrift.

Dafür nehmen die deutsch-namibischen Beziehungen an anderer Stelle Fahrt auf: Der Wüstenstaat soll zum Motor der deutschen Energiewende werden. Denn eines hat Namibia im Überfluss: Wind und Sonne - daraus lässt sich günstig Wasserstoff herstellen. Das namibische Unternehmen Hyphen Hydrogen in Windhoek und die deutsche Firma Enertrag arbeiten mit Hochdruck an einem 9-Mrd.-Euro schweren Projekt. Ist es ein Deal auf Augenhöhe? Wird diesmal nicht nur Deutschland profitieren, sondern die einstige Kolonie Namibia? Aspekte trifft die Projektentwicklerin Toni Beukes.

Jo Schück fährt in den Süden des Landes. In der Hardap Region, in der Nähe von Maltahöhe, leben die meisten Nama wie die Herero in Armut. Finanziert mit deutschen Mitteln baut und saniert der Verein CommonWaters Wasserbrunnen und sichert Nama-Familien und ihrem Vieh in dieser kargen Gegend das nackte Überleben. Es sei inzwischen eine Art Wiedergutmachungsprojekt für die Deutschen Kolonialverbrechen, weil es den Menschen wirklich helfe, erzählt der Projektleiter Guido von Wietersheim.

Ein kulturelles Versöhnungsprojekt hat der Komponist Eslon Hindundu gestartet. Er hat die Oper "Chief Hijangua" komponiert - es ist die erste namibische Oper überhaupt. Das Thema: Die deutsche Kolonialzeit. Gesungen wird in deutsch und Otjiherero. Jo Schück besucht eine Probe im College of the Arts in Windhoek. Mitte September ist deutsche Premiere in Berlin. Eslon Hindundu ist überzeugt: Seine namibisch-deutsche Oper trage dazu bei, die dunkle deutsch-namibische Geschichte zu kitten.

  • Moderation - Jo Schück

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Author: Angela Hull

Last Updated: 1703200682

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